15. Symposium "Religion, Kultur, Migration"
Mainz, 8./9. November 2002
14. Fachsitzung Stadt und Religion
53. Deutscher Geographentag Leipzig, 2. Oktober 2001
12. Symposium "Religion - Kultur - Territorialität"
Regensburg, 4./5. Mai 2001
11. Arbeitskreissitzung
52. Deutscher Geographentag Hamburg, 7. Oktober 1999
10. Arbeitskreissitzung und Mitgliederversammlung
51. Deutscher Geographentag Bonn, 9. Oktober 1997
8. Symposium "Religiöse Gruppen in der Alten und Neuen Welt"
Regensburg, 30. Juni - 1. Juli 1995
7. Arbeitskreissitzung und Mitgliederversammlung
49. Deutscher Geographentag Bochum, 7. Oktober 1993
3. Arbeitskreissitzung
46. Deutscher Geographentag München, 15. Oktober 1987
2. Arbeitskreissitzung
45. Deutscher Geographentag Berlin 1985
Deutscher Geographentag Bayreuth, 3. Oktober 2007, 8.30 - 11.30 Uhr
Sitzungsleitung: Thomas Schmitt (Bonn) und Edgar Wunder (Heidelberg)
Spätestens seit den Anschlägen des 11. September wird Religion global als ein möglicher gesellschaftlicher Risikofaktor wahrgenommen. Entgegen der Rationalisierungsthese Max Webers wurde Religion in den letzten Jahrzehnten als vitale gesellschaftliche und politische Einflussgröße sichtbar und als solche von den Sozialwissenschaften wieder entdeckt. Religion erscheint unter anderem dann als (zumeist unberechenbares) Risiko, wenn sie - als normatives System - Gewalt legitimiert und - als soziales System - Gewalt produziert, wobei diese Gewalt über den destruktiven Akt hinaus einen symbolischen Mehrwert besitzen und ein Vielfaches an gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Folgewirkungen nach sich ziehen kann.
Entlang ethnischer und religiöser Grenzziehungen können - wie etwa am Zerfall Jugoslawiens deutlich wurde - Kriege und Bürgerkriege aufbrechen; in afrikanischen und asiatischen Staaten nehmen Auseinandersetzungen um die religiöse Ausrichtung oder Legitimierung des Staates blutige Formen an, aber auch in den multiethnischen und multireligiösen Stadtteilen der Großstädte Mitteleuropas kann Religion als Mobilisierungs- und Distinktionsmerkmal in gesellschaftlichen Konflikten dienen. Religion kann aber bereits dann als Risikofaktor verstanden werden, wenn sie zur Letztbegründung einer Politik verwendet wird und diese sich damit jedem argumentierenden Diskurs entzieht. Die gesellschaftliche und teilweise auch sozialwissenschaftliche Wahrnehmung von Religion als Risiko widerspricht dabei in markanter Weise Binnensichten von Religion, die diese als Quellen des Friedens und der gerechten Ordnung beschreiben. Diese Wahrnehmungsdifferenz ist selbst Thema sozialwissenschaftlicher Forschung; zugleich mahnt sie davor, Religion nicht alleinig auf ihr Konflikt- und Gewaltpotenzial zu reduzieren.
Die gesellschaftlichen Rückkoppelungen von religiösem Extremismus sollen als Versuch eines state-of-the-art und einer Zwischenbilanz humangeographischer Forschungen in einem interdisziplinären Forschungsfeld behandelt werden.
Gibt es dabei Spezifika humangeographischer Forschung im Vergleich zu benachbarten Disziplinen (insbesondere Religionssoziologie, Politikwissenschaften, soziologische Konfliktforschung)? Welche können die komparativen Vorteile humangeographischer Forschungen in einem interdisziplinären Forschungsfeld zum Zusammenhang von extremistischer Religion und gesellschaftlichen/politischen Rückkoppelungen darstellen?
Folgende Referate wurden gehalten und diskutiert:
Christoph Bochinger (Bayreuth):
Religion und Gewalt - eine Analyse aus religionswissenschaftlicher Sicht.
Der Zusammenhang von Religion und Gewalt wird derzeit nicht nur in den Medien, sondern in einem breiten interdiziplinären Kontext diskutiert. Der Beitrag formulierte aus einer religionswissenschaftlichen Sicht Maßstäbe, die an eine solche Diskussion zu stellen sind. Am Beispiel des Islams wurde aufgezeigt, wie verschiedene religionswissenschaftliche Ansätze den Themenkomplex Religion und Gewalt behandeln.
Frank Meyer (München):
Islam, Politik und Gewalt: theoretische Reflexionen und Perspektiven humangeographischer Forschung.<
Die Wahrnehmung eines an sich kriegerischen, bedrohlichen und gewalttätigen Islam bildet nicht erst seit Huntington einen festen Bestandteil des öffentlichen Diskurses in der westlichen (bzw. christlichen) Welt, sondern - wie der Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Vorlesung einer breiten öffentlichkeit in Erinnerung gerufen hat - sie existiert bereits seit dem Mittelalter. Die zahlreichen religiös legitimierten Aktionen muslimischer Terroristen bestätigen die zum Teil prominenten Vertreter eines Urteils, wonach der unauflösliche Zusammenhang von Politik und Religion im Islam - fast zwingend - in Gewalt mündet. Aus dieser Betrachtungsweise mutiert der Islam zur Sicherheitsfrage, zum unkalkulierbaren Risiko, was allerdings ebenso einen vielfach wissenschaftlich fundierten Gegendiskurs entfacht hat. Angesichts diese Befundes wurde in dem Referat zunächst den Fragen nachgegangen, ob ein struktureller Bezug zwischen Religion und Gewalt existiert und ob dem Islam in seiner theologischen Substanz Schuld an Gewalt zugewiesen werden kann. Eine Analyse des Gewaltbegriffes, die Berücksichtigung historischer Entwicklungen und theologische Verweise bilden einen Bestandteil der Präsentation. Von grundlegender Bedeutung ist dabei die Sichtweise des Referenten, wonach zwischen religiösen Texten und gelebter Religion bzw. handelnden und interpretierenden Menschen zu unterscheiden ist.
Nach diesem Teil erfolgte die Hinwendung zu der Frage, ob die Humangeographie fachspezifische Beiträge zum Themenkreis Religion, Politik und Gewalt (oder Risiko und Konflikt) leisten kann. Als mögliche Beispiele wurden hier insbesondere Diskursanalysen (Dekonstruktion) hinsichtlich der Konstruktion von Weltbildern (einschließlich kartographischer Darstellungen; mapping) sowie räumliche Dimensionen bei der Konstruktion kollektiver Identitäten (die ja vielfach den Aspekt der Religion beinhaltet) angesprochen. Der Hinweis auf zentrale Ergebnisse und Erfahrungen aus eigenen empirischen Arbeiten schloss die Präsentation ab.
Reinhard Henkel (Heidelberg):
Nationalismus, Religion und Identität im postkonfliktären Raum - das Beispiel Ex-Jugoslawien.
Wie in den meisten anderen Staaten Ost- und Südosteuropas, gelang es dem kommunistischen System im religiös sehr heterogenen Jugoslawien, den Einfluss der Religionen stark zurückzudrängen. Nach den Kriegen der neunziger Jahre in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo, die zur Auflösung Jugoslawiens führten, gewannen die großen hier vertretenen Religionen und ihre Institutionen, die Serbisch-Orthodoxe Kirche, die Römisch-katholische Kirche sowie der Islam, wieder an Bedeutung. In den Kriegen selbst ließen sich die religiösen Institutionen und ihre Führer häufig für nationalistische Zwecke instrumentalisieren, und Kirchen und Moscheen als religiöse, aber gleichzeitig auch nationale Symbole waren wichtige Ziele der Zerstörung. Auf der individuellen Ebene kann man die Situation gut mit dem Begriff der "Konfrontationsidentität" beschreiben: Das Bewusstsein der religiösen Wurzeln und Zugehörigkeit, eng verbunden mit den nationalen bzw. ethnischen, bekam in der Situation der Konfrontation mit dem Anderen eine große oder sogar die wichtigste Bedeutung für die Identität vieler Menschen. Allerdings äußerte sich die religiöse Wiederbelebung in Ex-Jugoslawien mehr in einem allgemeinen Zugehörigkeitsgefühl der Menschen zu ihrer jeweiligen Religion und in einem größeren Einfluss der religiösen Institutionen als in gestiegener aktiver Beteiligung am kirchlichen Leben.
Im Beitrag wurden die Römisch-katholische Kirche in Kroatien und die Serbisch-Orthodoxe Kirche eingehender betrachtet. Sie verstanden (und verstehen) sich als "Hüter der Kultur" ihrer jeweiligen Nationen (Ramet). Erstere stellt sich eigentlich dar als globale Kirche und nicht als eine Summe nationaler Kirchen; jedoch assoziiert sie sich in Konfliktsituationen häufig mit nationalen oder sogar nationalistischen Ideen. Letztere ist eng mit der Kultur, Geschichte und Politik des serbischen Volkes verbunden. Zunehmend bezieht sie sich auf das Prinzip des "kanonischen Territoriums", um den Einfluss anderer christlicher Konfessionen abzuwehren.
Ralph-Peter Klause (Vaduz):
Religiöse Identität fordern anstatt religiöse Radikalität fördern - Pluralisierungstendenzen religiöser Gemeinschaften im Alpenrheintal.
Religiöse Pluralisierungs- und Ausdifferenzierungsprozesse innerhalb unterschiedlicher Religionsgemeinschaften aufgrund anhaltender Migration, fortschreitender Emanzipation sowie nicht zuletzt wachsender ökonomischer Prosperität religiöser Gruppen in der Diaspora verstärken sowohl in den Städten, als auch im ländlichen Raum die religiöse und damit auch kulturelle Pluralität der Gesellschaft; Religionsgemeinschaften werden "sichtbar".
Die durch Migration und Integration entstehenden religiösen, sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen verlangen eine transparente und auf Dauer angelegte Analyse und Situationsbeschreibung, daher werden Motive, Handlungsschwerpunkte und Zielsetzungen der an diesem Prozess beteiligten Akteure grenzüberschreitend untersucht.
Die Situation in den europäischen Ländern ist dabei keineswegs einheitlich. Mit einem Schwerpunkt auf "neuen" islamischen Gemeinschaften wurden Eigenschaften, Strömungen und Spannungen einer neuen "Multireligiosität" in einer durch vier Länder (Liechtenstein / Österreich / Schweiz / Deutschland) geprägten Grenzregion religionsgeographischen identifiziert, strukturiert und schließlich vergleichend analysiert.
Deutscher Geographentag Bayreuth, 4. Oktober 2007
Leitung: Edgar Wunder (Heidelberg)
Diese Arbeitskreissitzung führt Vertreter unterschiedlicher Richtungen in der Religionsgeographie zu einem genauso kontroversen wie konstruktiven Dialog zusammen. Umstritten ist beispielsweise die theoretische Orientierung der Religionsgeographie, die Bedeutung des Religionsbegriffs selbst, die Exklusivität eines "geographischen" Zugangs zum sozialen Phänomen der Religion und damit die Abgrenzung zu anderen Zweigen der Religionsforschung, die Verpflichtung auf einen methodologischen Agnostizismus und damit das Verhältnis zur Theologie, ihre Anschlussfähigkeit an die aktuelle Theoriediskussion in der Sozial- und Kulturgeographie sowie auch die empirische Befundlage, ob in Europa eine "Rückkehr der Religion" zu konstatieren sei, oder ob auch außerhalb Europas Säkularisierungsprozesse dominieren. Diese und andere Fragen diskutieren:
Andrea Gerhardt (Kassel)
Christoph Bochinger (Bayreuth)
Edgar Wunder (Heidelberg)
Florian Scherz (Erlangen)
Reinhard Henkel (Heidelberg)
Thomas Schmitt (Bonn)
Zunächst trugen alle Referenten ihre Position thesenartig in nur jeweils 10 Minuten umfassenden Plädoyers dar. Es folgte eine ausführliche Podiumsdiskussion zwischen den Referenten, an der sich auch das Publikum beteiligte. Den Abschluss bildete eine Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Religionsgeographie.
Session STS 21 at the 29th Conference of the International Society for the Sociology of Religion (ISSR) on "Secularity and Religious Vitality" in Leipzig, July 24, 2007
Convenors and chairmen: Reinhard Henkel (University of Heidelberg/University of Zagreb,Croatia) and Tomás Havlícek (Charles University Prague,Czechia)
Venue: Neues Geisteswissenschaftliches Zentrum ("GWZ") Leipzig, Beethovenstraße 15
The geography of religion has been regarded a marginal field until recently. In the past years this has changed. Two directions of research have become apparent. One of them mainly considers social geographical problems and methods while the other has been influenced by the new cultural geography approach. Both now work more frequently with theoretical approaches which are also used in the sociology of religion. The geography of religion always has to point to the fact that all religious processes "take place" in space and have a spatial dimension. The spatial turn in the social sciences emphasize the necessity of this approach as well. Nine papers from geographers and other social scientists were presented.
1. The place(s) of religions. Observations on new developments in the geography of religion
HENKEL, Reinhard (Heidelberg/Zagreb)
In many parts of the world, the significance of religion has increased during the last years and decades. In the sociology of religion, the secularization thesis was the dominant framework for the interpretation of developments in the realm of religion for a long time. Meanwhile, other explanation patterns have become more prominent, such as the individualization thesis and economic theories. The so-called "spatial turnö does not seem to have reached sociology of religion yet. In history of religion (religious studies), however, questions of spatiality and locality are being studied intensively.
Geography of religion has been regarded a diverse and incoherent field until recently. In the past years this has changed. Two directions of research have become apparent. One of them mainly considers social geographical problems and methods while the other has been influenced by the new cultural geography approach. Both should more frequently work with the above mentioned theoretical approaches of sociology of religion. Geography of religion must not, however, lose track of its main goal: it always has to point to the fact that all religious processes take place in space and have a spatial dimension.
2. Local culture and the maintenance and transmission of religious practice
VOAS, David (University of Manchester) and Daniel V.A. OLSON (Indiana University South Bend)
In explaining levels of individual religious commitment, sociologists have tended to focus on the influence of family upbringing on the one hand and on characteristics of the national culture on the other. Both factors are undoubtedly important, but there is a blur in the middle distance. A substantial amount of neighbourhood and regional variation in religiosity exists, and these local differences may affect family behaviour while also helping to constitute the broader national context. Social networks at this intermediate level of geography are arguably the ‘missing link’ that can help us to understand how, when and where religious practice is (or is not) successfully maintained and transmitted.
The extent to which people continue to go to church, to support it financially, and to find religion important in their lives now varies substantially from one place to another. Explaining these differences is arguably the core task of the scientific study of religion. The International Congregational Life Survey provides detailed records on belief and practice from almost a million respondents in four countries: Australia, New Zealand, England and the USA. Data on the precise geographical location of congregations and attenders permit a level of spatial analysis that has rarely been possible previously.
3. Demography of religions - Methods for assessing membership data and growth or decline of religious groups
WARBURG, Margit (University of Copenhagen)
The quantitative assessment of the spread of a particular religion and the prospects of its growth or decline, is a cross-disciplinary field between demography and religious studies. Studies in the demography of religions are important in the sociology of religion; however, they are hampered by problems of access to relevant demographic data and unresolved issues of methodology. The initial methodological considerations concern the delimitation of the group, the definition of membership and the harvest of membership data Further problems of methodology are addressed through a quantitative case study of the Baha’i-religion. The Baha’i religion shows the typical pattern of a rapid growth with the enrolment of the first generation of believers, followed by a decline in growth in the next generation. Access to detailed demographic data of the Baha’is through decades has provided the basis for testing and further developing existing models of demography. Projections of the demographic development of the Danish Baha’i community show that overall growth is likely, but also that the ethnic profile of the community invariably will change.
4. Regional differentiation of development changes in the religious landscape of Czechia
HAVLICEK, Tomás (Prague)
The contribution is concerned with an analysis of the main trends and processes in the religious landscape of Czechia during the time of transformation. The post-1989 period has witnessed i.a. a more distinct diversification of the religious landscape, which has occurred in particular thanks to an increase in the number of new religious orientations and movements. How has the development affected the territorial distribution of those communities? How has the development affected the regional differentiation of sacral objects in Czechia? The contribution attempts to monitor certain key factors of the transformations of sacral objects and to identify, on the basis of selected localities, the crucial consequences of those changes. The results of field and questionnaire surveys among members of the religious community in selected model territories of Czechia imply that religious symbols have been restored gradually (in particular chapels, wayside shrines and crosses) and sacred objects have been undergoing important transformations. The restoration is not primarily based on religious grounds but rather on historical (subsidies from German and Austrian people of Sudeten origin) or cultural (subsidies from the state for the restoration of monuments) grounds. Sacralisation is apparent also in the construction of new religious objects or in the transformation of existing secular structures into religious objects. This trend can be observed mainly in Protestant denominations, which have been increasing in number. On the other hand, the Roman-Catholic Church has been selling or leasing its unused religious property, in particular in border regions or in the so-called inner periphery territories.
5. Greek Orthodoxy, Territoriality and Globality: Religious Responses and Institutional
ROUDOMETOF, Victor (University of Cyprus)
This paper offers an interpretation of Greek-Orthodox responses to globality. During globalization’s modern period, relativization and de-territorialization led to a modern synthesis between Orthodoxy and nationality. During globalization’s contemporary period (1840s-1945), the Ecumenical Patriarchate has adopted a relatively open perspective toward globalization, which offers an opportunity to empower the Patriarchate’s status as a supra-territorial institution. In contrast, many national churches-like the Church of Greece-cling to a defense of the modern synthesis and view contemporary globalization as a threat to their vision of re-territorialized religiosity. These institutional perspectives are closely aligned to theological responses to contemporary globality, which are also polarized between Orthodox globalists and defenders of the modern synthesis. The 2003/04 dispute between the Ecumenical Patriarchate and the Church of Greece over the issue of ecclesiastical governance exemplifies these contrasting perspectives. The dispute was fueled in large part by the endorsement of opposite religious responses toward globality by the two institutions: The Patriarchate adopted an institutional perspective favoring de-territorialization and the Church of Greece adopted an institutional perspective favoring re-territorialization.
6. The religious sites of Cyprus - indicators of co-presence and symbols of lost territory
DIETZEL, Irene (University of Erfurt)
Religious sites, such as churches, mosques, graveyards, and monasteries fulfil multiple functions within both cultural and built environments. They are places of worship, provide spatial centres for a community of co-religionists, form places of pilgrimage and sometimes stand as durable, monumental records of a particular culture’s presence. Within the multi-religious environment of Cyprus, the religious sites are spatial indicators of a long-standing co-presence of Muslim and Christian communities. Subsequent to the island’s division into two nationally homogenous territories, the dislocation of great parts of the rural population has not only proven disruptive to local religious practice, but it has also redefined the significance of the religious sites on both sides of the border. The churches and monasteries in the occupied area have since become focal points in the territorial disputes between the Turkish and Greek sides. This paper examines these shifts in significance, while arguing for a reassessment of the importance of Religious Place to the national identities present in modern day Cyprus.
7. Crossroads of religion: Shrines, mobility and urban space in Goa
HENN, Alexander (Arizona State University), ahenn@exchange.asu.edu
Wayside shrines — representing Hindu, Catholic and Muslim traditions respectively— show an astonishing dynamic in the cities of Goa / India: they not only persist in a milieu of drastic socio-cultural and infrastructural change, but some of then even flourish enormously exceeding temples, churches and mosques in popularity. I will argue in this presentation that this dynamic is owed to the fact that the shrines respond to and enact three forms of mobility particular to urban environments: a) cultural mobility, that is the conciliation of religious difference in a hybrid cultural milieu, b) social mobility, that is the negotiation of shifting social and economic conditions, and c) physical mobility, that is the ‘control’ of hazards in a steadily increasing traffic movement.
8. Landscape of religious Action-Orientation: The American City under Examination
HARDINGHAUS, Matthias (Anglia Ruskin University Cambridge)
The contribution refers to a research project which negotiates the thesis of the ongoing impact of Protestant Calvinist imagery on urban landscape in modern USA. It was inspired by Max Weber's "Protestant Ethicö and his examination of the influence of Protestantism on the development of modern society. Weber does not establish a conceptionally founded relationship to spatial-material development; here a social-geographical framework is applied to enable the interrelationships to be understood between religious motives, which, as cultural imagery and components of the frame of reference of action orientation, influenced the development of a specific American settlement culture, and the topological development. Cultural guiding images like the Garden of Eden, the Moral Wilderness and the Frontier built by in a tradition of Protestant, Calvinist Puritanism are linked with a specifically Christian corpus of broadly biblical ideas. They are integral parts of the American Way of Life and were not only of great importance for the European settlers in their sen-sual appropriation of the new continent, but also had a lasting impact on modern urban development, in particular, in the USA.
9.Urban religion in shaping space
WEDAM, Elfriede (Loyola University Chicago) and Lowell W. LIVEZEY (New York Theological Seminary)
All groups, including religious congregations, compete for space in the urban environment and in the process build local and metropolitan relationships in diverse ways, depending on the resources available to them. But it’s not just economic competition that congregations engage in, which is a reflection of exchange value, but congregations also have much at stake in the use value of their locations. They are concerned with the building or rebuilding of community in a new way among their members and with those outside. In Logan and Molotch’s (1987) words, we address the political and cultural factors, and "emotional and social resourcesö that individuals and groups use to build their "schemes around the opportunities that certain places afford them.ö We present three cases that use space at three different scales: the local neighborhood, a broader corridor often facilitated by transportation links, and a metropolitan wide reach that crosses city and suburban borders. Thus, we anticipate the argument in our book under contract that competition for space involves the use of cultural and religious resources to gain access to political decision makers; attract and mobilize members; facilitate economic mobility; and redraw group boundaries, each outcome facilitated differently by the limits and opportunities of space.
Heidelberg, 24. April 2006
Am 24. April 2006 fand am Geographischen Institut der Universität Heidelberg ein Symposium zum Thema "Radikalisierte Religion: Risiken und Raumkonflikte" mit einer anschließenden Mitgliederversammlung des AK Religionsgeographie statt.
In der Mitgliederversammlung gab sich der Arbeitskreis eine neue Geschäftsordnung, die u.a. vorsieht, dass zukünftig zwischen Vollmitgliedern und assoziierten Mitgliedern des Arbeitskreises unterschieden wird. Während von Vollmitgliedern mindestens eine einschlägige wissenschaftliche Publikation zu einem religionsgeographischen Thema erwartet wird, steht die assoziierte Mitgliedschaft allen Interessierten offen, insbesondere auch Studenten. Alle Mitglieder können an einer neu eingerichteten Mailingliste des Arbeitskreises teilnehmen, über die nicht nur regelmäßig Informationen über religionsgeographische Neuerscheinungen und Projekte verbreitet werden, sondern die auch der Diskussion der Mitglieder untereinander dient. Wer auf diese Mailingliste mit aufgenommen werden möchte, kann sich an edgar.wunder@geog.uni-heidelberg.de wenden.
Zum neuen geschäftsführenden Sprecher des Arbeitskreises wurde Edgar Wunder (Heidelberg) gewählt, zusammen mit Reinhard Henkel (Heidelberg/Zagreb), Gisbert Rinschede (Regensburg) und Thomas Schmitt (Bayreuth) als weiteren Mitgliedern des Sprecherkreises.
Bei dem begleitenden Symposium referierte zunächst der bekannte US-amerikanische Religionsgeograph Roger W. Stump von der State University of New York (SUNY) in Albany zum Thema "Boundaries of Faith: Geographical Perspectives on Religious Fundamentalism". Stump unterstrich dabei - wie auch schon in seinem im Jahr 2000 veröffentlichten gleichnamigen Buch - die Bedeutung von Kontrollbedürfnissen über Territorien für die Entstehung und Entwicklung fundamentalistischer Bewegungen sowie ihre Konflikte mit der jeweiligen sozialen Umwelt. In einem weiteren Vortrag "The Crusade Against Evil: Millenarian Fundamentalism in the White House" ging der Theologe Robert Jewett von der Northwestern University in Evanston/Chicago (USA) der Frage nach, inwiefern endzeitliche Prophetien und eine damit verbundene Mobilisierung fundamentalistischer Milieus Einfluss auf den Ausgang von Präsidentschaftswahlen in den USA bzw. auch auf politische Entscheidungen der aktuellen US-Administration hatten und haben. Edgar Wunder berichtete im dritten Vortrag "Begrenzungsversuche radikalisierter Religion: Die Lebensgemeinschaft der "Zwölf Stämme" und ihr Konflikt mit dem bayerischen Kultusministerium um die Schulpflicht" über Ergebnisse seiner teilnehmenden Beobachtungen bei einer Religions- und Lebensgemeinschaft, die im Nördlinger Ries einen Gutshof betreibt. Im letzten Vortrag "Islam und Demokratie - Islam und Terrorismus: Positionierungen und Argumentationen islamischer Dachverbände in Deutschland" schließlich verglich Thomas Schmitt öffentliche Auseinandersetzungen um den Bau von Moscheen in Deutschland im Zeitraum vor und nach dem 11. September 2001.
54. Deutscher Geographentag Bern, 29. September 2003
Leitung: Anton Escher (Mainz) und Reinhard Henkel (Heidelberg/Zagreb)
Folgende Vorträge wurden gehalten:
Ulrich Best (Plymouth):
Der "Millennium-Dome" als Heilsversprechen und Kontrolltechnik
Martin Levison (Monticello):
Sport Arena: Fans, Brands, and Tourism
Heike Egner und Beate Ratter (Mainz):
Fetische der Natur als mobile Tempel der Postmoderne
Florian Scherz (Erlangen):
Drinnen und Draußen: Reliigöse Selbstverortung in der postmodernen Gesellschaft
Symposium des Arbeitskreises Religionsgeographie
Geographisches Institut, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, 8./9. November 2002
Unter dem Titel "Religion - Kultur - Migration" diskutierten über 30 Kolleginnen und Kollegen der Geographie, der Religionswissenschaften, der Philosophie, der Archäologie und der Kunstgeschichte über die Zusammenhänge zwischen Wanderung, Glauben und Gesellschaft. Viele Mitglieder des Mainzer Graduiertenkollegs "Raum und Ritual" hatten den Weg zu der Tagung gefunden.
Folgende Vorträge wurden gehalten:
Wolf-Dietrich Sahr (Curitiba/Brasilien):
Der Anker des Glaubens in entankerter Welt - theoretische _berlegungen zur Beziehung von Religion und Migration.
Christoph Weick (Mainz):
Die Verortung des Paradieses. Zur Rolle eines religiösen Motivs bei der Auswanderung in die Neue Welt.
James Jakob Fehr (Potsdam):
Die Auswanderung der Mennoniten und der Wandel in ihrem Selbstverständnis.
Fouad Ibrahim (Bayreuth):
Das koptische Zentrum im Taunus - ein Beispiel religiöser Vitalität der koptischen Diaspora
Tomás Havlícek (Prag):
Migration und Religiosität im tschechischen Grenzraum
Hans Knippenberg (Amsterdam):
Islam and Islamic migrants in the Netherlands
Thomas Schmitt (Bayreuth):
Moscheen in Deutschland
Die Vorträge waren durchwegs von interessanten und kontroversen Diskussionen begleitet. Es wurde deutlich, dass bei der Rezeption und Thematisierung von Kultur die Dimension "Religion" eine tragende Rolle spielt. Insbesondere aufgrund der Verunsicherung und Entwurzelung durch Migration hat das Streben nach Stabilität, die oftmals in der Religion gefunden wird, eine nicht zu unterschätzende Funktion. Ebenso bestand Konsens darin, dass nicht nur in den Ländern der Dritten Welt, sondern auch in Europa die religiöse Orientierung der Menschen an Bedeutung gewinnt. Dieses Phänomen sollte zunehmend auch bei geographischer Forschung berücksichtigt werden.
Die Geschäftsführende Leitung des Arbeitskreises geht mit Ablauf des Jahres an Anton Escher (Mainz) über.
53. Deutscher Geographentag Leipzig, 2. Oktober 2001
Leitung: Gisbert Rinschede (Regensburg) und Anton Escher (Mainz)
Der erste Teil der Sitzung behandelte den jüngeren religiösen Wandel in Städten der westlichen Welt. Reinhard Henkel (Universität Heidelberg) referierte zunächst über "Lebensstile und religiöse Gemeinschaften in deutschen Städten - Untersuchungen am Beispiel von Halle, Hamburg und Heidelberg". Er stellte dabei heraus, dass es deutliche Anzeichen für eine religiöse Renaissance in den Städten des westlichen Kulturkreises gibt, die vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg als Vorreiter von Säkularisierung und Entkirchlichung galten. Hierbei spielt die Religiosität der Immigranten eine bedeutenden Rolle. Aber auch viele deutsche freie christliche Gemeinden vor allem charismatischer und evangelikaler Prägung sind in den letzten 20 Jahren entstanden und bilden dabei einen Gegenströmung zur Entkirchlichung weiter Bevölkerungsteile. Der in der englischsprachigen Geographie sehr bekannte Stadt- und Sozialgeograph David Ley (University of British Columbia, Vancouver/Kanada) untersuchte in seinem Vortrag "Settlement practices and identity objectives of German immigrant churches in Canadian cities". Wie auch andere neuere Immigranten-Kirchengemeinden etwa der Chinesen und Koreaner stellen diese zunächst ein Stück "mitgebrachte Heimat" dar, stehen aber später unter einem starken Druck, sich an die Gastkultur anzupassen. Wanderungsbewegungen der Mitglieder nach Suburbia und die Frage, welche Sprache in den Gottesdiensten verwendet wird, entscheiden hier über die Zukunft der Gemeinden, die eine große Bedeutung für die Identität der Immigranten und ihre Integration in die Gastgesellschaft haben.
Im zweiten Teil der Sitzung stand zunächst an zwei Beispielen die Frage im Mittelpunkt, welche Bedeutung religiöse Vorstellungen für die Stadtstruktur haben. Wolf-Dietrich Sahr (Universität Curitiba/Brasilien) verdeutlichte in seinem Vortrag "Zwischen Metaphysik und Schauspiel". Transformationen des religiösen Elements im urbanen Raum Curitibas, Brasilien", dass die Religion im staedtischen Erscheinungsbild und im sozialen Verhalten der Menschen Lateinamerikas eine extrem wichtige Rolle spielt. Am Beispiel dreier herausragender Bauwerke Curitibas wurde postuliert, dass neben der römisch-katholischen Kathedrale auch die baulichen Symbole des "säkularen" zentralen Platzes vom Ende des 19. Jahrhunderts und des zentrumsnahen postmodernen Shopping Centers religiös zu interpretieren sind. Joachim Vossen (Universität Regensburg) nahm in seinem Beitrag "Geist und Stadt. Ein Beitrag zur Stadtstruktur Bukarests" den Wandel der Stadtstruktur ins Blickfeld, den er als Ausdruck der jeweilig herrschenden Geisteshaltung deutete. In der osmanischen Zeit war er charakterisiert durch eine dezentralisierte und polyzentrische Struktur, in der die religiösen Gebäude als eigentliche Zentren den diffusen Raum strukturierten. Die europäische Stadtphase war vor allem von einem starken Drang nach Ordnung und Regulierung geprägt, während der sozialistische Städtebau und der "despotische" Städtebau unter Ceausescu die städtische Struktur erneut weitreichend veränderte. In der Gegenwart schließlich prägt die "globale Kultur" die städtischen Leitbilder wieder neu. Beiden Vorträgen lag eine breites, funktionales Verständnis des Phänomens Religion zugrunde. Zum Schluss der Sitzung stellte Florian Scherz (Universität Erlangen-Nürnberg) ein "angewandt-religionsgeographisches" Thema vor: "Städtische Patchwork-Vorstellungen bewirken den Wandel kirchlicher Raumstrukturen. Geographen beraten Stadtkirchen". Aufgrund der immer stärker sich ausdifferenzierenden Lebensstile steigt gerade in den städtischen Räumen auch die Zahl unterschiedlicher Lebenssituationen und Glaubensvorstellungen. Die Mitglieder der beiden großen Kirchen in Deutschland werden bisher lediglich gemäß ihres Wohnsitzes einer Pfarrei zugeordnet. Da die Kirche im Zuge der Säkularisierung jedoch ihre Funktion als Stifterin der sozialen Einheit verloren hat, scheitert auch das Territorialprinzip als räumliche Umsetzung dieses Einheitsgedankens zunehmend. Der Referent stellte dann sozialgeographische _berlegungen zur Neuorientierung zur Debatte.
53. Deutscher Geographentag Leipzig, 4. Oktober 2001
Leitung: Reinhard Henkel (Heidelberg)
R. Henkel stellte seinen "Atlas der Kirchen und der anderen Religionsgemeinschaften in Deutschland" vor, der im Mai 2001 im Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, erschienen ist. Diese Vorstellung und die Kommentare und Fragen von Prof. Dr. Anton Escher (Mainz) und Prof. Dr. Gisbert Rinschede (Regensburg) dazu gaben Anlass zu einer anregenden Diskussion über die Konzeption eines Religionsatlasses und darüber hinaus über die "religiöse Landschaft" in Deutschland allgemein.
A. Escher stellte dann das neue Graduiertenkolleg "Raum und Ritual" an der Universität
Mainz vor, an dem die Geographie neben anderen Fächern beteiligt ist.
In der sich anschließenden Mitgliederversammlung des Arbeitskreises wurden zunächst
Berichte über die Mitgliederentwicklung gegeben. Obwohl eine offizielle Mitgliedschaft im
Arbeitskreis erst in diesem Jahr eingeführt wurde, sind ihm schon 22 Personen beigetreten.
Auf einen Bericht über die Tagung des Arbeitskreises am 4./5. Mai 2001 in Regensburg folgte eine Diskussion über die Internetdarstellung des Arbeitskreises.
Die Homepage soll als wichtigstes Kommunikationsmittel weiter ausgebaut werden.
Die Planung der nächsten Tagungen des Arbeitskreises ergab folgende Ergebnisse:
Am 8./9. November 2002 wird an der Universität Mainz die nächste Tagung unter dem
Thema "Religion - Kultur - Migration" (Vorbereitung und Organisation: A. Escher)
durchgeführt. Dazu wird demnächst ein Call for Papers ergehen. Auf dem 54. Deutschen
Geographentag vom 28. September bis zum 4. Oktober 2003 in Bern ist eine Fachsitzung zum
Thema "Die neuen Tempel der Postmoderne" vorgesehen. Außerdem soll versucht werden,
sich an der Gestaltung von Sitzungen vor allem zum Leitthema C "Mythen und Lebensalltag
in Gebirgsräumen" zu beteiligen.
Bei der Wahl der Sprecher des Arbeitskreises wurden A. Escher, R. Henkel
(geschäftsführend) und G. Rinschede in ihren Ämtern bestätigt.
Symposium des Arbeitskreises Religionsgeographie
Institut für Geographie, Universität Regensburg, 4./5. Mai 2001
Die Tagung, die unter der Leitung von Reinhard Henkel (Heidelberg) und Joachim Vossen (Regensburg) stattfand, wurde von etwa 35 Teilnehmern besucht. Von Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Tschechien, den Niederlanden, den USA und Brasilien wurden Vorträge zu den Themenbereichen "Theoretische Aspekte der Religionsgeographie", "Kulturkontakt und Konflikte", "Staat und Religion" und "Religion und Stadt" präsentiert. Die vorgestellten Inhalte resultierten sowohl aus aktuellen Diplom- und Magisterarbeiten als auch aus Doktorarbeiten und laufenden religionsgeographischen Forschungsprojekten.
R. Henkel referierte in einem einführenden Vortrag zum Thema "Definition von Religion und Religionstheorien - was kann die Religionsgeographie aus der Diskussion in Religionssoziologie und Religionswissenschaft lernen?" über den gegenwärtigen Stand der Religionsgeographie und präsentierte ergänzend wegweisende "Forschungsstandorte" der Religionssoziologie, in deren Mittelpunkt Fragestellungen im Bereich der Säkularisierungs-, Individualisierungs- und Markttheorie stehen. Wolf-Dietrich Sahr (Curitiba/Brasilien) behandelte in seinem Vortrag "Drei Welten zwischen Dies- und Jenseits. Postmoderne _berlegungen zu einer handlungstheoretischen Ausrichtung der Religionsgeographie" den "cultural turn", der in den letzten zwei Jahrzehnten in der internationalen Geographie zu erheblichen epistemologischen Verschiebungen geführt hat. Er stellte in diesem Zusammenhang heraus, dass bisher eher randlich behandelte Bereiche wie die "Cultural Geography" und die Religionsgeographie eine zunehmende Relevanz erhalten. Für die Religionsgeographie unterstrich er dabei die Notwendigkeit, sich einer Neuorientierung unterziehen zu müssen.
Einen weiteren Themenschwerpunkte bildete der Bereich Religionskonflikte und Konfliktforschung, in denen die Thesen Huntingtons einer aktuellen kritischen _berprüfung unterzogen ( Hans Knippenberg, Amsterdam: "A clash of religions? Religion, territory and conflict after the Cold War"), religionsgeprägte Weltkulturen vor dem Hintergrund wirtschaftswissenschaftlicher Theorien und Modelle reflektiert ( Christian Schwald, München: "Konfuzianistische Kulturkreise und deren ökonomisches Konfliktpotenzial am Beispiel globaler Projektfinanzierungen") und die Präsenz sakraler Gebäude (Moscheen) im öffentlichen Raum als Problemfeld geographischer Konfliktforschung vorgestellt wurden ( Hans-Joachim Büchner, Mainz: "Die Positionierung der Moschee im öffentlichen Raum der deutschen Diaspora").
Im _bergangsbereich von Religion zur Ideologie referierten Daniel B. Lee, Penn State University, USA ("Manifest Destiny: Religion and the Worldview of White Americans") über die Bedeutung der Religion für die "Konstruktion des "Weißen Amerika" sowie Ursula Kuhn,("Nationale Monumente in den USA - Funktion und Bedeutung") und Juliane Bierschenk ("Monument Alley? Sites of Memory im Südwesten der USA"), beide Regensburg, über Funktion und Symbolik von Denkmälern in den USA. Karolin Frank, Hamburg ("Die Trennung von Staat und Kirche - Konsequenzen für die Denkmalspflege sakraler Bauten in den USA") lenkte die Aufmerksamkeit der Tagungsteilnehmer auf das Staat-Kirche-Verhältnis in den USA, das sich deutlich von demjenigen in den europäischen Staaten unterscheidet. Am Beispiel eines bedeutenden Pilgerortes in Mexiko konnte Konrad Tyrakowski, Eichstätt ("Die Villa de Guadelupe in Mexiko-Stadt: Zwischen Volksreligiosität und nationaler Symbolik") die große Bedeutung der Religion im Prozess der Identitätsfindung unterstreichen.
Der dritte Themenblock - "Religion und Stadt" - enthielt Beiträge von Robert Geipel, München ("Qualifikation und Konfession am Beispiel München"), der den Zusammenhang von Konfessionszugehörigkeit und Status am Beispiel von sieben ausgewählten Betrieben (37.000 Mitarbeiter) untersuchte, von Florian Scherz, Erlangen ("Raumfragen als Zukunftsfragen: Kirchen als Forschungsobjekte der Religions- und Sozialgeographie"), der sich mit räumlichen Dimensionen kirchlicher Organisationsstrukturen befasste, sowie von Anton Escher, Mainz ("Orientalische Stadt oder islamisch gelebte Stadt?"). Tomás Havlícek, Prag, referierte abschließend über "Heilige Stätten in Prag" und stellte in diesem Zusammenhang eine Klassifikation nach Haupttypen vor.
In den Referaten und den angeregten Diskussionen kam deutlich zum Ausdruck, dass es einen Nachholbedarf in der (deutschen) Geographie gibt, sich mit dem Thema Religion zu beschäftigen. Weltweit nimmt die Bedeutung der Religion eher zu als ab. Einerseits macht die zunehmende Globalisierung mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten und den weltweiten Migrationen bisher weitgehend auf bestimmte Räume beschränkte Religionen auch in anderen Teilen der Welt bekannt und präsent. Andererseits stellt Westeuropa mit seiner nach wie vor starken Säkularisierung eher die Ausnahme als die Regel dar. Die überwiegend materialistische Sichtweise der Moderne wird in Gesellschaft und Wissenschaft zunehmend abgelöst durch postmoderne Entwicklungen. Es stellt sich heraus, dass Handlungen von Individuen und Gruppen viel stärker durch kulturelle Orientierungen und Weltanschauungen geprägt werden als bisher angenommen. Diese sind aber explizit oder implizit religiös. Die wieder neu ins Blickfeld gekommenen "Kulturen" als Gegenstand geographischen Forschens sind zu einem großen Teil religiös definiert oder beeinflusst. Aus den kulturell-religiösen Prägungen resultiert eine große Vielfalt von Lebensstilen, die in ihrem Mit-, Neben- oder auch Gegeneinander zu untersuchen ist. Auch innerhalb Deutschlands hat sich die "religiöse Landschaft" durch Immigration, Säkularisierung und das Aufkommen neuer religiöser Bewegungen verändert.
Neben der wissenschaftlichen Tagung wurde auch ein Workshop über die Zukunft religionsgeographischen wissenschaftlichen Arbeitens durchgeführt. Hier wurde eine formalisierte Mitgliedschaft im Arbeitskreis beschlossen. Ein Mitgliedsbeitrag wird nicht erhoben. Die Adressen und die Arbeitsgebiete der Mitglieder sollen auf die Internetseite des Arbeitskreises gestellt werden, um Kontakte zwischen interessierten Personen zu ermöglichen. Kolleginnen und Kollegen, die an einer Mitgliedschaft interessiert sind, können dies dem Geschäftsführenden Sprecher mitteilen. Insgesamt markierte die Tagung einen kultur- und sozialgeographisch ausgerichteten Neuanfang der Religionsgeographie.
52. Deutscher Geographentag Hamburg, 7. Oktober 1999
Leitung: Reinhard Henkel, Heidelberg/Halle a.d. Saale
Der Hauptinhalt dieser Sitzung war die Vorstellung des ersten deutschsprachigen Lehrbuchs der Religionsgeographie, das in der Reihe "Das Geographische Seminar" bei Westermann erschienen ist, durch den Autor Gisbert Rinschede (Regensburg). Dieser erläuterte das Konzept und die Gliederung des Bandes, wobei er besonders auf die Stellung des Faches im Gebäude der Wissenschaften zwischen Geographie, Religionswissenschaften, Theologie und Sozialwissenschaften und auf die leitenden Fragestellungen einging. Die anschließende Diskussion wurde durch zwei Statements der beiden Co-Sprecher des Arbeitskreises, A. Escher (Mainz) und R. Henkel eingeleitet, die es außerordentlich begrüßten, dass G. Rinschede den Mut gefunden hat, dieses Lehrbuch zu verfassen. Viele der dort angesprochenen Problembereiche, gerade auch aktuelle wie ethnisch-politische Konflikte, Säkularisierung/Zunahme des Fundamentalismus, Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung, Wirtschaftsethik im globalen, regionalen und lokalen Maßstab u.a. haben religiöse bzw. weltanschauliche Hintergründe, zu deren Erhellung religionsgeographische Untersuchungen einen bedeutenden Beitrag leisten können. Anders als etwa das ebenfalls neuere englische Lehrbuch von PARK (1994) beschränkt sich Rinschede nicht darauf, lediglich Fallbeispiel an Fallbeispiel zu reihen, sondern unternimmt wenigstens den Versuch, an denjenigen Stellen, an denen es möglich ist, Regelhaftigkeiten und Gemeinsamkeiten herauszustellen und zu systematisieren. Hierbei muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Disziplin Religionsgeographie noch weit davon entfernt ist, auf einem einheitlichen theoretischen Entwurf oder auch mehreren Entwürfen aufbauen zu können oder sich einer einheitlichen Methodik zu bedienen. Die anschließende Diskussion behandelte diese Thematik weiter und kam zu dem Schluss, dass es unbedingt nötig ist, religionsgeographische Fragestellungen stärker als bisher aus dem "Orchideen-Winkel" herauszuholen und in das Zentrum des humangeographischen Diskurses einzubringen. In der Soziologie etwa hat das Thema "Religion" sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene eine viel größere Bedeutung als in der Geographie.
Im zweiten Teil der Sitzung auf dem Geographentag referierte Joachim Vossen (Regensburg) über "Konflikte der Raumnutzung. Die Old Order Amish in Lancaster County, Pennsylvania". Am Beispiel dieser religiösen Minderheit wurde deutlich, wie die Globalisierung zu einem großen Anpassungsdruck führen kann, dem sich viele Mitglieder dieser Gemeinschaft lediglich durch Abwanderung entziehen können.
51. Deutscher Geographentag Bonn, 9. Oktober 1997
Vorbereitung und Leitung: Reinhard Henkel, Heidelberg/Frankfurt a.M.
Gehaltene Vorträge:
Anton Escher (Mainz):
Religionsgemeinschaften des Nahen Ostens in Lateinamerika
Hans Knippenberg (Amsterdam):
The rise of non-denominationalism in the Netherlands in its geographical and historical dimensions
Reinhard Henkel:
Die räumliche Verbreitung der Religionsgemeinschaften in Deutschland unter besonderer
Berücksichtigung der kleineren Kirchen
50. Deutscher Geographentag Potsdam, 5. Oktober 1995
Vorbereitung und Leitung: Gisbert Rinschede, Regensburg
Gehaltene Vorträge:
Reinhard Henkel (Heidelberg/Trier):
Die weltweite Verbreitung der Religionen und Konfessionen. Kriterien zur Erstellung einer Karte
Wolfgang Weiß (Greifswald):
Religionsgemeinschaften in Mecklenburg-Vorpommern
Gisbert Rinschede (Regensburg):
Die Wirtschaftsaktivitäten der Mormonen
Symposium des Arbeitskreises Religionsgeographie
Institut für Geographie, Universität Regensburg, 30. Juni - 1. Juli 1995
Leitung: Prof. Dr. Gisbert Rinschede und Dr. Joachim Vossen
Gehaltene Vorträge:
Reinhard Henkel (Heidelberg/Mannheim):
Das Christentum in afrikanischen Städten
Friedrich Steinbauer (München):
Was glaubt der Pazifik - eine religionsgeographische Bestandsaufnahme
Hermann Radlbeck (Regensburg):
Die Raumwirksamkeit einer religiösen Minderheit am Beispiel der christlichen Mission in Chotanagpur (Indien)
Thomas Reichart (Erlangen/Wien):
Der Zerfall der Landeskirchen Tansanias in Stammesdiözesen - ein zukunftsträchtiges Entwicklungsmodell?
Sophie Vernicos-Papageorgiou (Paris):
Religions, Nationalities, and Territorial Discontinuity: The Case of Romania in 1992
Andrea D. Perterer (Bonn):
Der Bruderhof - Modell einer kommunitär-religiöser Lebensform am Beispiel der "Society of Brothers"
Ioan Janos (Bukarest):
Some geographical remarks on the Pentecostal and Baptist Religious Cults in Romania
Christian Talanga (Bukarest):
Seventh-Day Adventists in Romania
Gisbert Rinschede (Regensburg):
Die Ausbreitung der Mormonischen Kirche
Joachim Vossen (Regensburg):
Die Old Order Amish - traditionelle Lebensformen in einer modernen Welt
49. Deutscher Geographentag Bochum, 7. Oktober 1993
Vorbereitung und Leitung: Gisbert Rinschede, Regensburg
Gehaltene Vorträge:
Winfried Schenk (Würzburg):
Zisterzienserkonvente als Mitgestalter der mitteleuropäischen Kulturlandschaft
Reinhard Henkel (Heidelberg/Greifswald):
Religionsgeographische Aspekte rußlanddeutscher Einwanderergruppen in Deutschland
Michael Sauberer (Wien):
Religionsgeographische Aspekte der aktuellen räumlichen Entwicklungsproblematik Rumäniens
Gisbert Rinschede:
Geographische Aspekte der Fernsehkirchen in den USA
Joachim Vossen (Regensburg):
Junge Siedlungsgebiete der Old Order Amish in den USA
48. Deutscher Geographentag Basel, 26. September 1991
Vorbereitung und Leitung: Gisbert Rinschede, Regensburg
Gehaltene Vorträge:
H.-G. Hassel (Mainz):
Der Wallfahrtsort Medjugorje, Jugoslawien
S.-E. Carabenci (Eichstätt):
Die Wallfahrtsorte Altötting und Einsiedeln - ein kulturgeographischer Vergleich
Gisbert Rinschede:
Pilgerzentren in Québec, Kanada
W. Kreisel (Aachen):
Religiöse Vorstellungen und Wirtschaftsverhalten im Pazifischen Raum
H.-G. Hassel:
Die Kirche in der Stadt
47. Deutscher Geographentag Saarbrücken, 2. Oktober 1989
Vorbereitung und Leitung: Gisbert Rinschede, Regensburg
Gehaltene Vorträge:
Werner Kreisel (Aachen):
Die Bedeutung der Geographie der Geisteshaltung für die angewandte Entwicklungspolitik
Reinhard Henkel (Heidelberg):
Regionale Variationen der Kirchlichkeit in Deutschland
Gisbert Rinschede:
Katholische Pilgerstätten in den USA
Katholische Universität Eichstätt, 5.-8. Mai 1988
Leitung: Gisbert Rinschede (Eichstätt), Manfred Büttner (Bochum) und Kurt Rudolph (Marburg)
Das bisher größte interdisziplinäre und internationale Symposium zur Religionsgeographie in Deutschland versammelte über 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 11 Ländern. Eine größere Anzahl von Vorträgen wurde in den Bänden 5 bis 8 der Schriftenreihe GEOGRAPHIA RELIGIONUM veröffentlicht, weitere in Religion/Umwelt-Forschung im Aufbruch, hrsg. v. M. Büttner (= Abhandlungen zur Geschichte der Geowissenschaften und Religion/Umwelt-Forschung, Band 2), 1989, Bochum: Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Dort ist im Anhang auch das Tagungsprogramm abgedruckt.
46. Deutscher Geographentag München, 15. Oktober 1987
Leitung: Gisbert Rinschede (Eichstätt), Manfred Büttner (Bochum) und Angelika Sievers (Vechta)
Gehaltene Vorträge:
H. Bürkle (München):
_ber das Verhältnis von Religionswissenschaft und Religionsgeographie
L. Hüttl (Köln):
Die Zusammenarbeit zwischen Kirchenhistorikern und Geographen am Beispiel der christlichen Wallfahrt
45. Deutscher Geographentag Berlin 1985
Leitung: Gisbert Rinschede (Eichstätt), Manfred Büttner (Bochum) und Angelika Sievers (Vechta)
Gehaltene Vorträge:
Hans-Georg Bohle (Göttingen):
Politische und ökonomische Aspekte der Religionsgeographie. Das Beispiel mittelalterlicher
südindischer Tempelgründungs- und Ritualpolitik
Reinhard Henkel (Heidelberg):
Die raumwirksame Tätigkeit christlicher Missionen - das Beispiel Zambia
am Rande des 44. Deutschen Geographentags 1983 in Münster
Gehaltene Vorträge:
Manfred Büttner (Bochum):
Zur Geschichte und Systematik der Religionsgeographie
Gisbert Rinschede (Eichstätt):
Das Pilgerzentrum Lourdes
Angelika Sievers (Vechta):
Zur Bedeutung des Pilgertourismus in Sri Lanka
Ulrich Köpf (Tübingen):
Die geschichtliche Dimension in der Religionsgeographie. Überlegungen am Beispiel der Geschichte des Christentums
Karl Hoheisel (Bonn):
Geographische Umwelt und Religion in der Religionswissenschaft
last updated: 08.03.2009
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